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Das späte Leben von Bernhard Schlink

Bernhard Schlink, Das späte LebenMartin Brehm ist krank, todkrank. Nun dürfte das eigene Lebensende in der Wahrnehmung eines rational denkenden Sechsundsiebzigjährigen nicht mehr in solch scheinbar un­absehbarer Ferne wie für Jüngere liegen, aber der ehemalige ­Juraprofessor hat kurz vor seiner Emeritierung eine späte Ehe mit der mehr als dreißig Jahre jüngeren Ulla geschlossen, aus der ein Sohn hervorgegangen ist: David. Dessen im Herbst bevorstehende Einschulung wird Martin Brehm wohl nicht mehr erleben, denn sein Arzt macht ihm keine falschen Hoffnungen: Just das halbe Jahr bis dahin entspricht der dem Patienten wahrscheinlich verbleibenden Lebenserwartung, und es wird nicht plötzlich mit ihm zu Ende gehen, sondern in einem Krankheitsverlauf, der für die letzten Wochen Böses verheißt. Wie sagt man so etwas Frau und Sohn? Brehm ­redet sich selbst Entschlossenheit ein: «Dass er nicht wusste, wohin er gehörte, noch zu den Lebenden oder schon zu den Toten, dass er sich verdächtig war, sollte ihm nicht dazwischenkommen.» Doch wenn ein Jurist das Wort «verdächtig» gebraucht, bedeutet das mehr als bei anderen Menschen. (Aus der Buchbesprechung der Frankfurter Allgemeinen)