Mario ist mit nicht mal 14 Jahre gestorben, und wer denkt, dass das Leben ganz vorbei ist, hat sich getäuscht. Sein Aktionsradius besteht jedoch nur noch aus seinem Grab, und in Kontakt treten kann er lediglich mit seinen direkten Grabnachbarn und ansonsten beobachten, was sich in der Nähe abspielt. Hoffmann, ein ehemals spiessiger und korrekter Beamter, liegt neben Mario und mit ihm unterhält er sich oft – mehr kann Mario ja auch nicht tun. Und so erzählt er Hoffmann seine Geschichte: In der Plattenbausiedlung, in der Mario gewohnt hat, war nicht viel los. Man trifft sich auf den Rasenflächen zwischen den Häusern, hängt gemeinsam ab. Und mit seinen Freunden Stefan und Rajko, der aus Jugoslawien stammt, sind sie froh, als sie unter einem Balkon einen verschlossenen Zugang entdecken. Mit primitiven Mitteln versuchen sie den Zugang zu öffnen, und als ihnen das nach längerer Zeit gelingt, stehen sie in einem Kollektorgang – einem langen und verwinkelten Gang, der alle Versorgungsrohrleitungen in der Plattenbausiedlung enthält. Sie haben aber nicht mit der Bande von Nicki gerechnet.
«Kollektorgang» handelt davon, wie zwei Banden, die eine harmlos und lose, die andere um Nicki gewaltbereit und dominant, miteinander in einen Machtkampf geraten. Angesichts der Rahmenhandlung mit dem Friedhof ahnt man ja schon, wie es bei Mario ausgehen wird – und die Geschichte, wie es zu Marios Tod kam, wird in dem Buch aufgerollt. Erzählt wird alles immer wieder temporeich, zwischendrin wird dann aber auch wieder innegehalten und reflektiert. Das macht David Blum sehr geschickt und sprachlich in einer guten Mischung aus ansprechend und literarisch anspruchsvoll.