Ohne Vorwort schmeisst Luzia Tschirky einen in die frühen Morgenstunden des 24. Februars 2022, als Russland in die Ukraine einfällt. Sie, die für SRF aus Russland, der Ukraine und Belarus berichtet, war zufälligerweise auf Reportage in Kiew und hatte geplant, nach zehn Tagen in ihre Wohnung nach Moskau zurückzukehren. Doch alles kommt anders. Sie wird in dieser Nacht zur Kriegsreporterin wider Willen.
Das Buch endet genau so abrupt, wie es anfängt: Ohne Epilog reisst Luzia Tschirky einen im Dezember 2022 wieder hinaus. Sie sitzt im sechsten Monat schwanger in der polnischen Hauptstadt Warschau, weil sie nicht mehr in die Ukraine reisen darf. Das Schweizer Arbeitsrecht verbietet es, Schwangere in ein Kriegsgebiet zu schicken.
Davor und dazwischen nimmt sie die Lesenden so nah mit ins Geschehen, es ist, als würde man sie wie einen Schatten begleiten. Als wäre man zu Gast an ihrer Hochzeit im Sommer 2019, wo die Kriegsschiffe auf dem Fluss vor dem Standesamt das Unheil ankünden, das zu diesem Zeitpunkt niemand sehen will. Als sässe man mit ihr in Luftschutzkellern, als blickte man mit ihr auf Massengräber, als lernte man mit ihr, sich in zerbombten Städten zu orientieren.