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Die Nacht der Bärin von Kira Mohn

Kira Mohn, Die Nacht der BärinAuf Geschichten von Frauen, die unter narzisstisch gestörten Männern leiden, die sie unterdrücken, quälen und unter Umständen sogar schlagen, reagieren wir standardmässig mit der Versicherung: «Würde mir das passieren – ich wäre sofort weg.»

Kira Mohn schreibt im Nachwort, dass es eben nie so klar anfängt, sondern möglicherweise nach einer Zeit von grosser Verliebtheit erst Stück für Stück, ganz langsam beginnt. Es kann ein schleichender Prozess sein: Zunächst wird unauffällig das Selbstwertgefühl der Frau unterwandert, sie wird von Freundinnen und Verwandten isoliert, dann gedemütigt und geschwächt, bis irgendwann kaum noch Kräfte übrig sind, um den seelische und/oder körperliche Gewalt ausübenden Mann zu verlassen. Darum fangen Frauen an, sich zu schämen für das, was in ihrem Leben passiert, zu vertuschen, zu verschweigen, notdürftig die Kinder zu beschützen.

Kira Mohn erzählt von einer vergifteten Kindheit und einer Mutter, die nicht die Kraft hatte, den Vater zu verlassen. Sie präsentiert diesen schwierigen Stoff mit grossem Geschick und raffinierter Komposition aus Erinnerungen und Gegenwart. In dem durchaus tröstlichen Schluss des Romans öffnen sich neue Perspektiven für die Frauen der nächsten Generation.