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Maror von Lavie Tidhar

Lavie Tidhar, MarorLavie Tidhar erzählt in «Maror» fast vierzig Jahre israelische Geschichte als Krimi-Epos nach. Im Zentrum der Handlung: ein Polizist, der für die Mafia mordet, und ein zweiter, der die «korrupte Seele Israels» versinnbildliche, wie der Autor sagt.

Lavie Tidhar ist 1976 in Israel geboren, in einem Kibbuz aufgewachsene und nun in London wohnhaft. Seine Erzählung folgt ausschliesslich der knallharten Logik von Gier, Korruption und Macht. Es geht nicht um Ideologie, sondern um Kontrolle. In «Maror» ist Israel ein Staat wie jeder andere – ein Staat, in dem Armeeangehörige unantastbar sind, Politiker, Polizisten und das organisierte Verbrechen zusammenarbeiten. In jeder Generation werden die Hoffnungen junger Menschen auf Frieden und Normalität aufs Neue zerstört.  

«Maror» übt brachiale und provokative Kritik am israelischen Staatsapparat, ist aber niemals moralisierend, sondern mit viel Tempo und Härte erzählt. Fertig ist Tidhar mit seiner erschütternden Gegenerzählung der Geschichte Israels noch nicht: Mindestens einen Teil, der weiter in die Vergangenheit Israels hineinreicht, wird es noch geben.