Das Buch von Caroline Darian, der Tochter von Gisèle und Dominique Pelicot, taucht den Fall von Mazan in ein neues Licht – und stellt die schwierigen Fragen.
Der Fall der Vergewaltigungen im südfranzösischen Mazan, mit dem sich das Gericht während dreieinhalb Monaten befasste, verhandelte das Übelste im Menschen: Ein vermeintlich liebevoller Ehemann und Vater betäubt seine Frau und lässt sie während fast zehn Jahren von über 80 Männern hundertfach vergewaltigen. Dominique Pelicot filmt und fotografiert die Gräueltaten. Er überlegt sich widerwärtige Titel für die Aufnahmen, feuert die Männer auf den Videos an, niemand ruft die Polizei.
Auf etwas über 200 tagebuchartigen Seiten beschreibt Caroline Darian, wie die Enthüllungen um ihren Vater alles in ein Davor und ein Danach teilten. Wie sie sich in die Beziehung zu ihrer Mutter bohrten. Wie sie die Familie zunächst erschütterten, dann spalteten.
Caroline Darians Text zeigt in einer überwältigenden Ehrlichkeit, wie plötzlich alles schwierig wird, wenn ein grosses Trauma die Familie erfasst. Wie es sich über Generationen hinweg und durch ganze Familien frisst, Liebe und Erinnerungen an sich reisst oder es zumindest versucht. Wie unterschiedlich Menschen damit umgehen. Wie viel grösser alles ist als Tat, Prozess, Urteil.