Zwei grundverschiedene Cousinen allein auf einer Alm, gemocht haben sie sich nie: Aus diesem simplen Kontrast entwickelt Katharina Köller einen sehr originellen Roman.
So handelt dieser Roman einerseits von weiblicher Emanzipation, indem Marie sich von ihrer Opferrolle löst und zur Verantwortung für sich selbst übernehmenden Akteurin erwächst. Andererseits geht es um die Befreiung aus der Abhängigkeit von der angeblich so fortschrittlichen Technik. Wer kennt sie nicht, die paradoxe Sehnsucht nach Natur, deren Ursprünglichkeit man eigentlich gar nicht mehr verträgt. «Sie ist ja auch wirklich frisch, diese Luft, so frisch, dass man husten muss, wenn man einen tiefen Atemzug tut. So voller Sauerstoff und Almkräuter und Nadelwaldausdünstung. Da wünscht man sich fast zur Rushhour auf den Matzleinsdorfer Platz und ein bisschen Auspuffqualm von Lastwägen aus den Achtzigerjahren.»
Die zurückgezogene Aussenseiterin Johanna indessen ist ein «wildes Tier im Körper von einem Menschen». Bequemlichkeit kennt sie nicht, sprechen tut sie kaum. Als Jugendliche wollten die Mütter der beiden Cousinen, dass Marie Johanna zu Partys mitnimmt, um sie mehr ins normale Leben zu integrieren. Doch nach und nach wird deutlich, dass nicht die Eremitin diejenige mit einem Problem ist.