Marina Jung fiel aus allen Wolken, als sie erfuhr, dass ihr Sohn Kokain konsumiert. Ihr war zwar aufgefallen, dass er manchmal bedrückt wirkte und sich oft zurückzog. Doch als er sich seinen Eltern anvertraute, reagierte sie schockiert: «Es war für uns unvorstellbar, dass unser Sohn harte Drogen nimmt.» Rund vier Jahre dauerte die Abhängigkeits-Erkrankung von Benedict Jung, bevor er an den Folgen des Konsums starb.
Es fällt Marina Jung nicht leicht, mit ihrer Erfahrung an die Öffentlichkeit zu gehen. Lange sei ihre Scham unendlich gross gewesen: «Angehörige sind geprägt von gesellschaftlichen Vorurteilen, von der Vorstellung, dass suchtkranke Personen eine Charakterschwäche haben.»
Das führe dazu, dass Angehörige sich selbst stigmatisieren, weil sie denken, in ihrer Familie stimme vermutlich etwas nicht. «Viele Angehörige fühlen sich einsam und wagen nicht, über dieses wichtige Thema zu sprechen.» Diesen Teufelskreis möchte Marina Jung mit ihrem Buch durchbrechen, auch aus der Erkenntnis: «Meine Scham ging weg, als ich es wagte, über sie zu sprechen.»