Es ist der 2. November 2020: Die pensionierte Frau sitzt auf dem Polizeiposten, wird mit Fotos einer regungslosen Frau in Reizwäsche konfrontiert, die vergewaltigt wird. Sie soll das sein? Unmöglich: «Im Geiste brüllte ich nein, nein, das bin ich nicht. Das ist er nicht«, schreibt sie. Ihr Mann, «der feine Kerl», Mino, wie sie ihn liebevoll nannte, ist nun ein Täter.
Unfassbar, unsäglich: der Fall Gisèle Pelicot schockierte die Welt. Fast zehn Jahre sedierte und vergewaltigte Dominique Pelicot seine Frau. Und er liess sie von anderen Männern vergewaltigen, nahm sie dabei auf.
Der Prozess, ein Ereignis, auch weil er mit einem Paukenschlag begann: Gisèle Pelicot bestand darauf, die Verhandlung zu öffnen. «Alle Welt sollte auf die 51 Vergewaltiger schauen. Sie müssen zu Kreuze kriechen. Ich nicht», schreibt sie im Buch.
In ihrem ersten TV-Interview zum Buch fragte sie der Moderator, wie es ihr gehe: «Besser», antwortete sie. Das Schreiben habe ihr erlaubt, klarer zu sehen. Und sie wandte sich an andere Opfer: «Habt keine Angst, das Wort zu ergreifen.» Bevormunden will sie keinen, nur bestärken.