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Brandung von Maylis de Kerangal

Maylis de Kerangal, BrandungEin Toter am Strand von Le Havre, auf dessen Kinoticket die Telefonnummer der Erzählerin steht: Was wie ein Krimi beginnt, wird zu einer eindringlichen Reise in die Vergangenheit. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive einer Frau um die 50, die in Le Havre aufgewachsen ist – genau wie die Autorin Maylis de Kerangal selbst. Sie setzt der Hafenstadt mit «Brandung» ein literarisches Denkmal.

Man folgt der Erzählerin durch die Stadt, zum Teil gebannt, zum Teil auch etwas ermüdet durch die zahlreichen assoziativen Rückblenden und die langen, verschachtelten Sätze. Maylis de Kerangal hat in diesen Roman viel eingeflochten: Ruinen, Tote, Jugendliebe, ukrainische Flüchtlinge, Drogenhandel, Filmgeschichte, Globalisierung, KI, die den Beruf der Synchronsprecherin obsolet machen könnte. Das abrupte Ende lässt die Leser etwas ratlos zurück.

Dennoch: «Brandung» ist stilistisch und sprachlich gelungen und erzeugt mit seiner melancholischen Stimmung eine ganz eigene Intensität. Die Schichten, die die Autorin frei legt, sind eine gelungene Hommage an Le Havre und machen neugierig auf die Hafenstadt an der Seinemündung.