Hannah Häffner entwirft in «Die Riesinnen» eine Gegenwart, die sich ständig an Vergangenes zurückbindet und dadurch nie ganz ruhig wird. Der Schwarzwald erscheint nicht als Postkartenmotiv, sondern als Raum mit Geschichte, mit Härten und mit einer Atmosphäre, die auf die Figuren zurückwirkt. Zugleich untersucht der Roman, wie Menschen unter widersprüchlichen familiären Erwartungen, alten Bindungen und neuen Selbstentwürfen ihren Alltag überhaupt sortieren können.
Der Roman überzeugt durch seine eigenständige Verknüpfung von Landschaft und Innenleben. Der Schwarzwald steht nicht bloss im Hintergrund, sondern prägt das Gefühl für Enge, Erinnerung und soziale Ordnung. Zweitens arbeitet Häffner mit einer Sprache, die genau beobachtet und gerade in der Zurückhaltung viel Spannung erzeugt; vieles wird nicht ausgestellt, sondern entwickelt sich zwischen den Zeilen. Drittens eröffnet der Text kluge Perspektiven auf Körperbilder, Herkunft und familiäre Erwartungen, ohne daraus ein geschlossenes Urteil zu machen. Ein möglicher Einwand: Wer eine stark ereignisgetriebene Handlung sucht, könnte die behutsame Erzählweise als zu langsam empfinden.