Der Roman beginnt mit einem eigentlich unspektakulären Vorgang: Cora geht zum Amt, um den Namen ihres neugeborenen Sohnes eintragen zu lassen. Ihr Mann gibt ihr «Gordon» vor, weil in der Familie alle Erstgeborenen diesen Namen trugen. In drei Varianten der Geschichte entscheidet sie sich jeweils für einen anderen Vornamen – für Bear, Julian oder Gordon. Jeder dieser Namen markiert den Ausgangspunkt eines eigenen Lebenswegs.
Der Titel «Die Namen» mag etwas irreführend sein. Denn nicht der Name allein prägt das Leben des Kindes. Entscheidend ist vielmehr, wie das Umfeld auf diese Wahl reagiert – insbesondere der gewaltbereite Vater. Seine Reaktionen setzen Dynamiken in Gang, die den weiteren Lebensverlauf massgeblich beeinflussen. Im Roman werden drei mögliche Biographien des Protagonisten entworfen. Der Protagonist wächst unter unterschiedlichen Bedingungen auf, an verschiedenen Orten und mit jeweils anderen Bezugspersonen. Man könnte sagen, dass der Name die Erwartungen des Umfeldes widerspiegelt, aber das Schicksal des Jungen nicht allein beeinflusst. Kapitelweise wechselt Name und Leben, dann folgt jeweils ein Sieben-Jahre-Sprung und wir verfolgen reihum die Geschichte von Bear, Julian und Gordon weiter. So entsteht ein rhythmischer Vergleich der Lebenswege.
Florence Knapp setzt ihre Idee überzeugend um und erzählt spannend. Das Thema der häuslichen Gewalt nimmt in der teilweise brutalen Geschichte grossen Raum ein.
Das Besondere am Roman von Florence Knapp ist, dass die drei verschiedenen Lebenswege des Kindes von Geburt an (1987) bis weit ins Erwachsenenalter hinein (2022) in den Blick genommen werden, also eine Zeitspanne von 35 Jahren.